Der Mensch im Würgegriff des Geldsystems

Sklave gehorche oder vegetiere

Wenn man heutzutage den menschlichen Kreislauf ein wenig genauer beobachtet, dann wird man mitunter schnell feststellen, wie verworren diverse Zusammenhänge geworden sind. Zweifelsohne ist das gewollt, denn wenn der Mensch emotional sofort eine Art Ohnmacht spürt, dann wird er seine Standards so hoch setzen, daß er etwas anderes erst gar nicht ausprobieren wird, weil er davonläuft, sich gar zu müde dafür fühlt.

  Joachim Sondern

Dieses Gefühl der geistigen Ohnmacht sorgt dafür, daß ganze Völker resignieren, mitschwimmen, um etwas Luxus zu genießen, damit es irgendwie erträglich für sie wird. Obgleich der Mensch alles dafür tut, seine wahren Bedürfnisse zu unterdrücken, sie zu betäuben, kann er niemals seine innere Stimme gänzlich auslöschen. Infolgedessen wird jeder Sklave des Schuldgeldsystems kontinuierlich eine innere Leere spüren, die Sinnlosigkeit seines Scheinlebens. Mitnichten verwunderlich, denn die Urinstinkte des Menschen entspringen einer natürlichen Ordnung, dem wahren Quell des Lebens. Ergo benötigt der Mensch in erster Linie Sauerstoff, Wasser, Sonne, gesunde Nahrung, Liebe, Geborgenheit, Treue, wahrhaftige Kommunikation, reale Hoffnung sowie eine Umgebung des Urvertrauens. Merken Sie etwas? Richtig, all diese Dinge wurden manipuliert, weil der Mensch es zugelassen hat.

Doch weshalb hat er es zugelassen? Vielleicht liegt genau an dieser Stelle jene Frage verborgen, der sich kaum jemand ernsthaft stellen möchte, weil die Antwort unangenehmer sein könnte als sämtliche politischen Diskussionen, die tagtäglich geführt werden. Denn was geschieht mit einem Menschen, der bereits von Kindesbeinen an lernt, seinen eigenen Wert in Zahlen auszudrücken, seinen Erfolg an Einkommen, Besitz, Status sowie gesellschaftlicher Anerkennung zu messen und sogar seine Lebenszeit danach einzuteilen, wieviel Geld er innerhalb einer bestimmten Stunde zu erwirtschaften vermag? Was geschieht mit einer Seele, wenn selbst die Freiheit irgendwann nicht mehr als innerer Zustand verstanden wird, sondern als die vermeintliche Möglichkeit, sich bestimmte Dinge leisten zu können?

Der moderne Mensch sagt mitunter voller Überzeugung, er wolle frei sein, und meint damit nicht selten lediglich, genügend Geld besitzen zu wollen, um sich innerhalb des vorhandenen Systems mehr bewegen zu können. Doch ist das Freiheit? Ist ein größerer Käfig bereits Freiheit, nur weil seine Gitterstäbe weiter auseinanderstehen? Ist derjenige frei, der sich zehn Urlaubsreisen im Jahr leisten kann, jedoch jeden Morgen gegen seine innere Natur aufsteht, um Tätigkeiten nachzugehen, die ihn seelisch längst ausgehöhlt haben? Ist ein Mensch reich, wenn sein Bankkonto gefüllt ist, während er seine Kinder kaum sieht, seine Beziehung nur noch verwaltet und seine eigenen Träume auf irgendeinen imaginären Zeitpunkt verschoben hat, den er später einmal „Ruhestand“ nennen möchte?

Gewiß besteht eine der größten Täuschungen unserer Epoche darin, daß man den Menschen glauben ließ, Geld sei Leben, obgleich Geld ursprünglich nichts anderes sein sollte als ein Werkzeug innerhalb des Lebens. Ein Tauschmittel, eine Vereinfachung, eine Möglichkeit, Leistungen miteinander zu verrechnen. Nicht mehr und nicht weniger. Doch aus dem Werkzeug wurde allmählich ein Herrscher, aus dem Mittel wurde ein Zweck, aus einer menschlichen Erfindung wurde beinahe eine metaphysische Instanz, vor der Marionetten der Regierungen, Unternehmen, Familien und einzelne Menschen gleichermaßen niederknien.

Der Mensch sollte niemals dem Geld dienen, sondern das Geld sollte dem Menschen dienen. Genau dieser einfache Satz offenbart bei näherer Betrachtung die gesamte Perversion unserer heutigen Ordnung.

Denn sobald Geld nicht mehr dazu dient, reale wirtschaftliche Leistungen miteinander zu verbinden, sondern große Teile des Geldes bereits durch Kredit, Zins, Schuld sowie permanente Rückzahlungsverpflichtungen entstehen, verändert sich zwangsläufig auch das Verhältnis des Menschen zu seinem eigenen Dasein. Plötzlich muß Wirtschaft nicht mehr in erster Linie Bedürfnisse befriedigen, sondern Wachstum erzeugen. Plötzlich muß ein Unternehmen nicht einfach gute Produkte herstellen, sondern Jahr für Jahr mehr erwirtschaften. Staaten benötigen Wachstum, Banken benötigen Schuldner, Märkte benötigen Konsumenten, Konzerne benötigen Aufmerksamkeit, und der einzelne Mensch benötigt Geld, um all jene Verpflichtungen bedienen zu können, die ihm inzwischen als selbstverständlich erscheinen.

Doch wohin soll dieses ewige Wachstum führen?

Kann auf einem begrenzten Planeten überhaupt etwas künstlich unbegrenzt wachsen? Kann eine Gesellschaft dauerhaft gesund bleiben, wenn ihr wirtschaftliches Fundament darauf angewiesen ist, daß Menschen immer mehr verbrauchen, immer schneller ersetzen, immer häufiger kaufen und niemals wirklich zufrieden werden?

Vielleicht wäre Zufriedenheit sogar einer der größten Feinde einer konsumorientierten Geldordnung. Denn ein zufriedener Mensch benötigt weniger. Er kauft nicht jeden Trend, definiert sich nicht über Marken. Er muß seinem Nachbarn nichts beweisen, benötigt kein größeres Fahrzeug, nur weil der Kollege ein auffalendes Fahrzeug besitzt. Er muß nicht jährlich seine technische Ausstattung erneuern, um für wenige Augenblicke das Gefühl zu erhalten, gesellschaftlich nicht zurückzufallen.

Ein solcher Mensch wäre schwerer zu steuern. Nicht weil er außerhalb jeder Gesellschaft leben würde, sondern weil sein Selbstwert nicht mehr permanent gekauft werden könnte.

Genau deshalb beginnt die Konditionierung bereits früh. Kinder lernen zwar Lesen, Schreiben und Rechnen, doch nur selten lernen sie ernsthaft etwas über die psychologische Wirkung des Geldes. Sie lernen kaum, zwischen Bedarf sowie künstlich erzeugtem Begehren zu unterscheiden. Sie lernen nicht, warum Konsum kurzfristig Glücksgefühle erzeugen kann, die kurz darauf wieder verschwinden. Sie lernen selten, welchen Unterschied es zwischen Besitz als auch innerem Reichtum gibt. Statt dessen lernen sie: gute Noten, gute Ausbildung, gute Arbeit, gutes Einkommen, gutes Leben. Einfach funktionieren.

Doch wer hat eigentlich festgelegt, daß diese Gleichung stimmen muß? Und was geschieht mit all jenen Menschen, deren Seele niemals in diese Gleichung hineinpassen wollte?

Exakt dort beginnt die große Tragödie unserer Zeit. Menschen aus vollkommen unterschiedlichen politischen Lagern bekämpfen einander, beschimpfen einander, machen einander das Leben schwer und glauben dabei, vollkommen verschiedene Welten zu vertreten, während sie häufig innerhalb derselben ökonomischen Grundordnung kämpfen. Der eine fordert höhere Sozialleistungen, der andere niedrigere Steuern. Der eine verlangt mehr Staat, der andere weniger Staat. Der eine will Unternehmen stärker regulieren, der andere ihnen größere Freiheiten geben. Der eine nennt sich links, der andere rechts, ein weiterer liberal, konservativ, sozialistisch oder libertär.

Doch nahezu alle streiten am Ende um die Verteilung desselben Geldes. Fast niemand stellt die viel grundlegendere Frage: Warum besitzt dieses Geld überhaupt eine derartige Macht über unser gesamtes Leben?

Warum darf ein Mangel an Zahlen auf einem Konto darüber entscheiden, ob ein Mensch eine Wohnung besitzt, medizinische Versorgung erhält, seine Kinder ernähren kann, seine Talente entfaltet oder im schlimmsten Falle vollständig aus dem gesellschaftlichen Leben herausfällt?

Natürlich benötigt jede komplexe Gesellschaft Regeln, Organisation, Arbeitsteilung und irgendeine Form des Austausches. Doch bedeutet dies zwangsläufig, daß der Mensch sein gesamtes Dasein einem künstlich geschaffenen Abrechnungssystem unterwerfen muß? Einem machtbesessenen Schuldgeldsystem erliegen sollte?

Wann wurde aus Wirtschaft eigentlich Religion? Wann wurde Wachstum zum Dogma? Wann wurde Konsum zur Beruhigungspille? Wann wurde Arbeit vom schöpferischen Ausdruck menschlicher Fähigkeiten zu einer bloßen Überlebenspflicht? Und wann haben wir aufgehört, diese Fragen zu stellen?

Genau das ist der entscheidende Punkt: Ein System muß nicht jeden Menschen mit offensichtlicher Gewalt beherrschen, wenn es ihm gelingt, seine Maßstäbe in dessen Kopf zu pflanzen. Der wirksamste Käfig besitzt keine sichtbaren Gitterstäbe. Der wirksamste Käfig entsteht im Denken.

Wenn ein Mensch selbst davon überzeugt ist, daß er wertlos sei, solange er wenig besitzt, benötigt niemand mehr einen Wächter. Wenn ein Mensch glaubt, er müsse vierzig Jahre etwas tun, was er verabscheut, um irgendwann einige Jahre frei leben zu dürfen, benötigt niemand mehr eine Kette.

Wenn ein Mensch seinen Nachbarn beneidet, weil jener mehr verdient, obwohl beide unter demselben Druck stehen, hat das System sogar erreicht, daß die Gefangenen einander kontrollieren.

So entstehen gesellschaftliche Grabenkämpfe, die häufig vollkommen am eigentlichen Problem vorbeiführen. Der Arbeitnehmer schimpft auf den Selbständigen, der Selbständige auf den Staat, der Steuerzahler auf den Sozialleistungsempfänger, der Sozialleistungsempfänger auf den Wohlhabenden, der Wohlhabende auf die Armen, die Armen auf äußere Krisen, und am Ende dreht sich alles weiter, während kaum jemand bemerkt, daß Menschen gegeneinander kämpfen, die möglicherweise viel mehr gemeinsame Interessen besitzen, als sie glauben.

Denn der einfache Arbeiter möchte leben.

Der Unternehmer möchte leben.

Der Rentner möchte leben.

Die Mutter möchte leben.

Der Vater möchte leben.

Der Künstler möchte leben.

Der Landwirt möchte leben.

Der junge Mensch möchte seine Zukunft gestalten, und der alte Mensch möchte auf sein Dasein zurückblicken können, ohne feststellen zu müssen, daß er sein gesamtes Leben lediglich Rechnungen bezahlt hat.

Wo also liegt der eigentliche Feind? Absolut nicht im Menschen gegenüber, sondern im Schattensystem hinter den eigentlichen Marionetten und in der eigenen Unfähigkeit, anerzogene Denkstrukturen einfach aufzubrechen.

Er liegt in einer Denkweise, die uns seit Generationen glauben läßt, daß menschlicher Wert, gesellschaftliche Sicherheit und persönliche Freiheit nahezu vollständig über Geld definiert werden müßten.

Denn sobald wir beginnen, einen Menschen danach zu beurteilen, was er besitzt, anstatt danach zu fragen, was er denkt, fühlt, erschafft, gibt oder bewirkt, haben wir längst einen Teil unserer Menschlichkeit gegen eine Zahl eingetauscht.

Und vielleicht besteht die wahre Revolution deshalb auch nicht darin, Geld abzuschaffen, irgendeine neue Währung einzuführen oder lediglich politische Machtverhältnisse auszutauschen. Vielleicht beginnt sie viel früher, stiller und zugleich radikaler.

Sie beginnt in jenem Augenblick, in welchem der Mensch erkennt:

Ich bin nicht hier, um dem Geld zu dienen. Das Geld ist hier, um dem Leben zu dienen.

Erst wenn dieser Satz wieder selbstverständlich geworden ist, können wir überhaupt darüber sprechen, welche Wirtschaftsordnung einem freien Menschen gerecht werden könnte. Denn solange wir Sklaven bleiben, werden wir selbst aus einem neuen System irgendwann wieder einen Käfig erschaffen.

Die entscheidende Frage lautet:

Was für ein Mensch wollen wir innerhalb dieser Welt eigentlich wieder sein und besitzen wir den Mut, daß auferlegte Schuldgeldsystem abzuschaffen?

Über Joachim Sondern 128 Artikel
Heimatliebender Aktivist, Medienmacher und Politiker! Ein Zitat von Ernst Jünger wurde zum inneren Begleiter: "Zeige mir den Markt der Stadt und ich sage dir, ob dein Volk noch lebendig ist." Friedrich Nietzsche formulierte einst treffend: "Im Gebirge der Wahrheit kletterst du nie umsonst: entweder du kommst schon heute weiter hinauf oder du übst deine Kräfte, um morgen höher steigen zu können." Ich habe mich für den Weg der Wahrheit entschieden - aus Liebe zum Eigenen!

2 Kommentare

  1. Lieber Joachim, wieder einmal ein grandioser Artikel, der meine Sichtweisen und inneren Überzeugungen zu 100 % widerspiegelt! Hervorragend zu Papier gebracht! 👍🏻🙋🏼‍♂️ PS: Zu meinem großen Bedauern ist mir ebenfalls noch keine andere passende Alternative in den Sinn gekommen als jene, die auf deutscher Heimaterde bereits einmal auf den Weg gebracht wurde. Dies mit einem derart grandiosen anfänglichen Erfolg, bis er eben j e n e Neider auf den Plan rief, die ihn und die damit glücklichen Menschen zerstörte sowie die aktuellen Zustände bis heute lenkt und kontrolliert…

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