Der moderne Mensch hält sich für aufgeklärt, frei und unabhängig. Tatsächlich jedoch verbringt er einen beträchtlichen Teil seines Lebens damit, auf Reize zu reagieren, die andere für ihn ausgewählt haben. Nachrichten, Skandale, politische Inszenierungen, künstliche Empörungswellen und gesellschaftliche Scheingefechte bestimmen, worüber er nachdenkt, wovor er sich fürchtet und gegen wen er sich richtet.
Joachim Sondern
Der weltliche Zirkus lebt davon, daß wir ihm Aufmerksamkeit schenken. Wer jeden Aufreger verfolgt, jede künstlich geschaffene Front übernimmt und jede mediale Erzählung innerlich aufnimmt, wird nicht aufgeklärt, sondern beschäftigt. Er bleibt in Bewegung, ohne sich wirklich vorwärtszubewegen, er reagiert, statt zu gestalten. Er empört sich, statt zu erkennen.
Auf diese Weise wird uns nicht nur unsere Zeit geraubt. Unser Bewußtsein wird zugleich auf einer niedrigen Ebene gehalten und systematisch weiter nach unten gedrückt.
Niedrige Frequenz bedeutet geistige Fremdbestimmung
Der Begriff der Frequenz muß nicht mystisch verstanden werden. Er beschreibt auch den inneren Zustand eines Menschen. Angst, Haß, Neid, Dauerempörung, Schuld und Ohnmacht verengen den Blick. Wer sich fortwährend in solchen Zuständen befindet, denkt kurzfristiger, handelt impulsiver und verliert die Fähigkeit, größere Zusammenhänge zu erkennen.
Ein verängstigter Mensch sucht Schutz.
Ein wütender Mensch sucht einen Gegner.
Ein erschöpfter Mensch sucht Ablenkung.
Kaum einer von ihnen sucht noch nach Wahrheit.
Genau darin liegt die Macht der permanenten Reizüberflutung. Ein Mensch, dessen Aufmerksamkeit ständig angegriffen wird, besitzt kaum noch die innere Ruhe, um zu prüfen, zu unterscheiden und eigene Schlüsse zu ziehen. Sein Denken wird zunehmend von außen gelenkt. Er glaubt zwar, sich eine Meinung zu bilden. In Wahrheit wählt er jedoch häufig nur zwischen den Meinungen, die ihm zuvor angeboten wurden.
Du sollst das Wesentliche nicht erkennen
Das Wesentliche liegt selten im täglich wechselnden politischen Schauspiel. Es liegt in den Strukturen dahinter.
Wer profitiert von Angst?
Wer profitiert von Spaltung?
Wer gewinnt Macht, wenn Menschen sich gegenseitig bekämpfen?
Wer legt die Begriffe fest, mit denen eine Debatte geführt wird?
Wer entscheidet, welche Themen sichtbar und welche unsichtbar bleiben?
Solange die Bevölkerung über Nebenschauplätze streitet, muß sie sich diesen Fragen nicht widmen. Ergo diskutiert sie über einzelne Figuren und übersieht das System, das diese Figuren hervorbringt, austauscht und verwertet.
Der größte Erfolg eines Herrschaftssystems besteht nicht darin, offene Gewalt anzuwenden. Er besteht darin, Menschen dazu zu bringen, ihre eigene Fremdbestimmung für persönliche Überzeugung zu halten. Dann bewachen sie ihre geistigen Grenzen selbst.
Die deutsche Kraft liegt nicht im Gehorsam
Wenn von einer deutschen Macht gesprochen wird, darf damit keine plumpe Überheblichkeit gemeint sein. Wahre Stärke entsteht aus Haltung, Bildung, Loyalität, Familienbewusstsein, Schöpferkraft und Verantwortungsbewußtsein.
Deutschland hat bedeutende Wissenschaftler, Erfinder, Philosophen, Techniker, Dichter und Forscher hervorgebracht. Deutsche Ingenieurskunst, Raumfahrtforschung, Naturwissenschaft und geistige Präzision haben Entwicklungen weit über die eigenen Grenzen hinaus geprägt.
Die Rede von einer deutschen „Macht im Weltall“ kann daher als Bild verstanden werden: als Ausdruck einer Fähigkeit, über den unmittelbaren Horizont hinauszudenken, technische Grenzen zu überwinden und das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Doch es ist nicht nur als Sinnbild zu verstehen.
Genau diese Kraft verkümmert jedoch, wenn ein Volk nur noch verwaltet, beschämt, abgelenkt und gegeneinander ausgespielt wird.
Ein schöpferisches Volk wird ungefährlich, sobald es seine Energie nicht mehr in Erkenntnis, Erfindung sowie Gestaltung lenkt, sondern in Selbstverachtung, Parteienstreit und tägliche Empörung.
Man muß eine geistige Kraft nicht vernichten, es genügt, sie dauerhaft zu beschäftigen.
Die Zerstörung beginnt im Inneren
Kein äußeres System könnte dauerhaft über Menschen herrschen, wenn diese ihre innere Souveränität bewahrten. Deshalb beginnt Fremdherrschaft stets im Bewußtsein. Menschen müssen davon überzeugt werden, daß sie klein, machtlos und voneinander getrennt seien. Sie sollen ihre eigene Wahrnehmung anzweifeln, ihre Geschichte nur noch als Belastung empfinden und ihre schöpferische Kraft an Institutionen abgeben.
Wer seine innere Autorität verliert, wartet auf Anweisungen.
Wer sich selbst nicht mehr vertraut, übernimmt fremde Deutungen.
Wer keine Vorstellung von einer besseren Zukunft besitzt, verteidigt am Ende sogar das Gefängnis, das ihn gefangenhält. Damit wird der Mensch zum freiwilligen Bestandteil einer Ordnung, die er angeblich ablehnt.
Wahrheit entsteht nicht durch Gegenpropaganda
Sich dem Zirkus zu entziehen bedeutet nicht, jede gegenteilige Behauptung automatisch für wahr zu halten. Wer lediglich die offizielle Propaganda durch eine andere Propaganda ersetzt, hat die Matrix nicht verlassen – er hat nur den Kanal gewechselt.
Wahrheit verlangt mehr. Sie verlangt Prüfung, Beobachtung, Widerspruchsfähigkeit und den Mut, auch die eigenen Überzeugungen in Frage zu stellen. Ein freier Geist übernimmt keine Aussage allein deshalb, weil sie gegen den Mainstream gerichtet ist. Er fragt nach Belegen, Interessen, Zusammenhängen und logischen Folgen.
Kritisches Denken bedeutet nicht, grundsätzlich alles abzulehnen, es bedeutet, nichts ungeprüft zu übernehmen. Gerade deshalb ist wirkliche geistige Unabhängigkeit für jedes Herrschaftssystem gefährlich. Ein eigenständig denkender Mensch läßt sich weder durch Regierungspropaganda noch durch blinde Gegenpropaganda zuverlässig steuern.
Er bleibt schwer berechenbar, weil sein Urteil nicht gekauft, erzwungen oder durch Gruppendruck festgelegt werden kann.
Der Ausstieg beginnt mit der Rücknahme der Aufmerksamkeit
Wir müssen nicht jeden Kampf führen, der uns angeboten wird. Wir müssen nicht auf jede Provokation reagieren und nicht jede künstliche Front übernehmen.
Aufmerksamkeit ist Lebensenergie. Worauf wir sie richten, wächst in unserem Bewußtsein. Wer täglich Angst konsumiert, stärkt die Angst. Wer ununterbrochen Feindbilder betrachtet, beginnt die Welt durch Feindbilder zu sehen. Wer sich dagegen mit Wissen, schöpferischer Arbeit, geistiger Klarheit und innerer Entwicklung beschäftigt, baut eine andere Wirklichkeit auf. Der entscheidende Widerstand beginnt deshalb nicht auf einer Demonstration, in einer Partei oder vor einem Bildschirm.
Er beginnt in dem Augenblick, in dem ein Mensch sagt:
Meine Gedanken gehören mir.
Meine Aufmerksamkeit gehört mir.
Meine schöpferische Kraft stelle ich nicht länger für ihre Inszenierungen zur Verfügung.
Wir müssen wieder Gestalter werden
Der Mensch wurde nicht geboren, um sein gesamtes Leben auf fremde Reize zu reagieren. Er besitzt die Fähigkeit, zu erkennen, zu erschaffen und bewußt zu handeln. Auch die Kraft eines Volkes zeigt sich nicht darin, wie laut es sich über den täglichen Zirkus empört. Sie zeigt sich darin, ob es noch fähig ist, selbst zu denken, Verantwortung zu übernehmen und eine eigene Zukunft zu entwerfen. Die eigentliche Befreiung besteht deshalb nicht darin, den Zirkus zu übernehmen. Sie besteht darin, seine Manege zu verlassen.
Wer seine Aufmerksamkeit zurückholt, hebt sein Bewußtsein aus dem künstlich erzeugten Lärm. Wer das Wesentliche erkennt, wird schwerer manipulierbar. Und wer seine schöpferische Kraft wiederentdeckt, ist nicht länger bloß Zuschauer einer fremd entworfenen Wirklichkeit.
Er wird wieder zum Gestalter.
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