Dein Kopf ist das Schlachtfeld: Wie die Informationsflut den Menschen kontrolliert

Wie Informationsflut, Dauerempörung und künstliche Gegensätze den Menschen geistig entwaffnen – und weshalb wirkliche Rebellion mit der Rückeroberung des eigenen Bewusstseins beginnt

Du lebst in einer Zeit, die dir jeden Tag erzählt, du seist besser informiert als sämtliche Generationen vor dir, weil du innerhalb weniger Sekunden Nachrichten aus allen Teilen der Welt abrufen, historische Dokumente durchsuchen, politische Reden verfolgen, Experten anhören, Gegenexperten vergleichen, alternative Medien konsumieren und zu nahezu jedem denkbaren Thema tausend verschiedene Erklärungen finden kannst, doch genau darin liegt eine der größten Täuschungen der modernen Informationsgesellschaft, denn der Mensch des digitalen Zeitalters ist nicht zwangsläufig besser informiert, sondern vor allem stärker beschäftigt, permanent gereizt, emotional aufgeladen und mit einer derartigen Menge widersprüchlicher Informationen konfrontiert, dass sein Geist kaum noch Gelegenheit erhält, aus Wissen tatsächlich Erkenntnis zu formen.

  Joachim Sondern

Die Informationsflut ist längst kein zufälliger Nebeneffekt einer technisch hochentwickelten Gesellschaft mehr, sondern das Funktionsprinzip eines Systems, dessen wichtigste Ressource deine Aufmerksamkeit geworden ist. Du sollst morgens noch vor dem ersten Kaffee wissen, welcher Politiker welchen Satz gesagt hat, welche Regierung irgendwo eine Entscheidung getroffen hat, welcher Krieg eskaliert, welcher Markt zusammenbricht, welcher Skandal gerade durch die sozialen Netzwerke getrieben wird und welche angebliche Sensation unbedingt noch vor dem Frühstück deine emotionale Reaktion verlangt, denn ein Mensch, der ständig reagiert, kommt immer seltener dazu, selbst zu agieren, während ein Mensch, dessen Aufmerksamkeit ununterbrochen nach außen gezogen wird, irgendwann kaum noch bemerkt, wie wenig Raum in seinem eigenen Kopf für Gedanken geblieben ist, die tatsächlich aus ihm selbst stammen.

Das ist die eigentliche Matrix unserer Zeit, und sie besteht nicht aus grünen Zahlenkolonnen, geheimnisvollen Maschinen oder irgendeiner filmreifen Kommandozentrale, sondern aus einem nahezu lückenlosen Netz permanenter Reize, Bewertungen, Ängste, Hoffnungen, Feindbilder, Trends, Skandale und künstlich erzeugter Dringlichkeit. Das System muss dir nicht vorschreiben, was du denken sollst, solange es erfolgreich darüber entscheidet, worüber du überhaupt nachdenkst, denn bereits die Auswahl der Themen bestimmt den geistigen Raum, in dem du dich bewegst, und wer Tag für Tag nur auf Ereignisse reagiert, die andere Menschen für berichtenswert erklärt haben, lebt geistig bereits innerhalb eines vorgegebenen Korridors, selbst wenn er innerhalb dieses Korridors lautstark widerspricht.

Genau deshalb ist auch der sogenannte oppositionelle Mensch keineswegs automatisch frei, nur weil er den Fernseher ausgeschaltet und einige alternative Kanäle abonniert hat. Die moderne Gegenöffentlichkeit hat dieselbe Krankheit entwickelt wie jene Medienwelt, gegen die sie ursprünglich angetreten ist, denn auch dort werden Aufmerksamkeit, Empörung sowie tägliche Sensationen zu einer Währung, wodurch aus ernsthafter Gegeninformation immer häufiger ein endloser Strom aus Enthüllungen, Gegendarstellungen, Verdächtigungen und Weltuntergangsszenarien entsteht. Zu jedem Ereignis existieren inzwischen zehn Theorien, zu diesen zehn Theorien hundert Gegenthesen, zu den Gegenthesen wiederum zahllose Erklärungen darüber, weshalb sie bewusst gestreut worden seien, und irgendwann beschäftigt sich der angeblich aufgeklärte Mensch nicht mehr mit der Wirklichkeit, sondern mit der tausendsten Theorie über eine Theorie, deren Ursprung längst niemand mehr kennt.

Damit ist ein bemerkenswerter Zustand erreicht, denn der Mensch kann den ganzen Tag damit verbringen, gegen Manipulation zu kämpfen, während sein eigener Geist vollständig von fremden Informationen besetzt bleibt. Er kann sich für rebellisch halten, während er morgens reflexartig die neuesten Kanäle kontrolliert, er kann Zentralisierung verachten und trotzdem seine gesamte Wahrnehmung von einigen digitalen Plattformen abhängig machen, er kann die großen Medien wegen ihrer täglichen Dramatisierung kritisieren und anschließend acht Stunden lang alternative Dramatisierung konsumieren, wodurch sich letztlich lediglich die politische Richtung der Inhalte verändert, nicht aber der grundlegende Mechanismus geistiger Abhängigkeit.

Das System gewinnt nicht erst dann, wenn du seiner offiziellen Erzählung glaubst, sondern bereits dann, wenn es deine gesamte Lebenszeit mit seiner Erzählung und deren Gegenerzählungen besetzt. Es gewinnt, wenn du jeden Morgen wissen musst, welche neue Sau durch das globale Dorf getrieben wird, wenn deine Stimmung von Meldungen abhängt, auf die du keinerlei unmittelbaren Einfluss besitzt, wenn du Menschen nach politischen Lagern sortierst, bevor du überhaupt mit ihnen gesprochen hast, wenn jede Begegnung, jedes Gespräch und schließlich sogar jede Freundschaft durch irgendeinen Kulturkampf vergiftet wird, dessen Regeln andere aufgestellt haben. Ein Mensch, der ständig empört ist, besitzt möglicherweise eine starke Meinung, doch er besitzt deshalb noch lange keine geistige Freiheit.

Genau darin liegt die raffinierte Kraft der modernen Dauerpolitisierung, denn alles wird politisch aufgeladen, jede Lebensentscheidung, jede Sprache, jede kulturelle Eigenheit, jede persönliche Haltung und inzwischen sogar Fragen, die früher selbstverständlich zum privaten oder gemeinschaftlichen Leben gehörten. Der Mensch soll sich zu allem positionieren, ständig Lager wählen, Symbole interpretieren, Gesinnungen prüfen und seine Mitmenschen danach beurteilen, ob sie die richtigen Worte, die richtigen Meinungen und die richtigen politischen Reflexe besitzen, während jene grundlegenden Fragen, die für ein menschenwürdiges Leben tatsächlich entscheidend sind, immer weiter aus dem Blick geraten: Wie wollen wir leben, welche Art von Gemeinschaft möchten wir aufbauen, wie viel Technik wollen wir in unserem Alltag zulassen, wie schützen wir menschliche Nähe, wie bewahren wir unsere kulturelle Verwurzelung, wie schaffen wir wirtschaftliche Eigenständigkeit und wie verhindern wir, dass Menschen zu austauschbaren Nummern innerhalb einer zentral verwalteten Maschine werden?

Der moderne Mensch wird dazu erzogen, sich über alles zu empören und gleichzeitig immer weniger selbst zu gestalten. Er soll wütend auf Regierungen, Parteien, Konzerne, Migranten, Einheimische, Rechte, Linke, Reiche, Arme, Junge, Alte und schließlich auf jeden sein, der gerade in das aktuelle Feindbild passt, denn solange sich Menschen gegenseitig zerfleischen, stellen sie die entscheidende Frage nicht: Wem nützt eigentlich eine Gesellschaft, in der jeder jeden verdächtigt, in der Völker gegeneinander ausgespielt, Generationen gegeneinander aufgehetzt und gesellschaftliche Gruppen permanent in Konkurrenz zueinander gesetzt werden?

Die Antwort liegt nicht in der nächsten Partei und auch nicht im nächsten politischen Messias, denn das vielleicht größte Gefängnis unserer Zeit befindet sich längst im Inneren des Menschen. Wer das Prinzip der permanenten Konkurrenz, der rastlosen Beschleunigung, des grenzenlosen Konsums, der ständigen Erreichbarkeit als auch der unmittelbaren emotionalen Reaktion vollständig verinnerlicht hat, trägt das bestehende System auch dann weiter, wenn morgen sämtliche Institutionen zusammenbrechen würden, weil eine politische Ordnung niemals dauerhaft besser sein kann als die Menschen, die sie tragen.

Man kann Flaggen austauschen, Verfassungen neu schreiben, Parlamente auflösen, Währungen ersetzen und große Worte über eine neue Epoche sprechen, doch wenn dieselben Menschen mit denselben Ängsten, derselben Gier, derselben Verantwortungslosigkeit, derselben Sehnsucht nach Führung und derselben Bereitschaft, den Andersdenkenden zum Feind zu erklären, anschließend eine neue Ordnung errichten sollen, wird lediglich der Name auf dem Schild verändert. Das alte System kehrt zurück, möglicherweise in anderer Kleidung, mit anderen Symbolen und anderen Männern an der Spitze, aber mit denselben menschlichen Schwächen, die es zuvor überhaupt erst ermöglicht haben.

Deshalb beginnt jede wirkliche Revolution dort, wo klassische Politik meistens aufhört, nämlich beim Menschen selbst. Nicht bei irgendeiner infantilen Selbstoptimierung, nicht bei pseudospirituellem Wohlfühlgerede und nicht bei der Vorstellung, man müsse lediglich positiv denken und sämtliche Probleme würden sich in Luft auflösen, sondern bei der radikalen Frage, wer eigentlich über deinen Geist herrscht, wer bestimmt, welche Informationen du konsumierst, welche Gefühle du jeden Tag nährst, welche Ängste du übernimmst und wie viel deiner Lebenszeit du Dingen schenkst, die keinerlei schöpferische Kraft in dein eigenes Leben bringen.

Breche deshalb aus der Informationsmaschine aus, nicht indem du unwissend wirst, sondern indem du wieder auswählst. Lese weniger und verstehe mehr, prüfe sorgfältiger und reagiere langsamer, beschäftige dich mehrere Tage mit einem Gedanken, anstatt innerhalb einer Stunde zwanzig verschiedene Meinungen darüber zu konsumieren, verbringe einen Spaziergang ohne Smartphone, führe Gespräche ohne Bildschirm, esse eine Mahlzeit ohne Nachrichten, arbeite mit deinen Händen, berühre Erde, Holz, Stein sowie Wasser, beobachte Tiere, höre Menschen zu, ohne gleichzeitig auf Benachrichtigungen zu warten. Entdecke dadurch etwas wieder, das einer digitalisierten Massengesellschaft gefährlicher werden kann als jede politische Parole: einen Menschen, der wieder selbst bestimmt, wann er erreichbar ist, worüber er nachdenkt und wem er Zugang zu seinem Bewusstsein gewährt.

Genau hier führt der Weg zurück zur natürlichen Ordnung, wobei natürliche Ordnung nichts mit einer kitschigen Rückkehr in irgendeine erfundene Vergangenheit zu tun hat, sondern mit jenen elementaren Lebensprinzipien, die der Mensch über Jahrtausende kannte, bevor Bildschirme, Algorithmen und globale Informationsnetze seinen Tagesrhythmus bestimmten. Der Mensch braucht Nähe, überschaubare Gemeinschaft, verlässliche Beziehungen, eine Verbindung zu seiner Umgebung, Zeiten der Arbeit und Zeiten der Ruhe, das Gefühl, gebraucht zu werden, persönliche Verantwortung und eine natürliche Grenze zwischen dem, was ihn unmittelbar betrifft, und jenem unendlichen Strom weltweiter Ereignisse, den kein menschlicher Geist vollständig tragen kann.

Eine Gesellschaft, die diese natürlichen Grenzen zerstört, erzeugt keine harmonischen Menschen, sondern überforderte Menschen, die ständig alles wissen sollen und deshalb irgendwann nichts mehr tief verstehen. Menschen, die mit der ganzen Welt verbunden sind und gleichzeitig den eigenen Nachbarn kaum kennen, die zehntausend digitale Kontakte besitzen und niemanden anrufen können, wenn sie nachts wirklich Hilfe benötigen. Sie haben Zugang zu unendlichem Wissen, verlieren jedoch gleichzeitig ihre Fähigkeit zur inneren Sammlung. Sie können jedes historische Ereignis innerhalb weniger Sekunden recherchieren und wissen dennoch immer weniger darüber, wer sie selbst sind, woher sie kommen oder welche Werte sie tatsächlich leben möchten.

An diesem Punkt erhält das Gesetz der Resonanz seine politische Sprengkraft, denn die stärkste Gegenbewegung zu einem System der Angst besteht nicht darin, noch mehr Angst vor diesem System zu verbreiten. Wer von morgens bis abends ausschließlich über Überwachung, Digitalisierung, Unterdrückung, Krieg, wirtschaftlichen Zusammenbruch und gesellschaftlichen Niedergang spricht, trägt all diese Bilder permanent in seinem Bewusstsein und beginnt irgendwann genau innerhalb jener Wirklichkeit zu leben, die er eigentlich überwinden möchte. Seine Gedanken kreisen um das System, seine Gefühle werden vom System bestimmt, seine Gespräche handeln vom System und sogar seine Vorstellung von Freiheit besteht nur noch darin, das Gegenteil dessen zu denken, was dieses System vorgibt, wodurch es weiterhin Mittelpunkt seines gesamten geistigen Universums bleibt.

Das Gesetz der Resonanz bedeutet in diesem Zusammenhang, die Richtung umzudrehen und nicht länger ausschließlich Energie in das zu geben, was verschwinden soll, sondern jene Ordnung bereits heute zu denken, zu fühlen und zu leben, die morgen Wirklichkeit werden soll. Wer menschliche Nähe erhalten möchte, muss Nähe leben, wer Bargeld und wirtschaftliche Eigenständigkeit bewahren möchte, muss sie im Alltag nutzen und unabhängige Strukturen unterstützen. Wer eine natürliche Gesellschaft will, muss Natur wieder zum Bestandteil seines Lebens machen, wer Gemeinschaft verlangt, muss Gemeinschaft aufbauen, wer weniger Zentralisierung fordert, muss Verantwortung wieder vor Ort übernehmen, und wer verhindern will, dass Völker gegeneinander ausgespielt werden, muss sich weigern, aus jedem geopolitischen Konflikt einen persönlichen Hass gegen andere Völker zu entwickeln.

Das ist wirklicher Widerstand, weil er nicht um Erlaubnis fragt und keinen politischen Erlass benötigt. Du kannst heute anfangen, lokale Händler zu unterstützen, persönliche Beziehungen zu pflegen, digitalfreie Zeiten einzuführen, Wissen weiterzugeben, Verantwortung für deine Familie sowie für deine Umgebung zu übernehmen, unabhängige Medien bewusst statt süchtig zu konsumieren und Menschen wieder danach zu beurteilen, wie sie handeln, anstatt danach, welche politische Etikette ihnen irgendein Lager aufgeklebt hat. Auf diese Weise entsteht bereits mitten innerhalb des alten Systems ein neues gesellschaftliches Gewebe, das nicht zuerst in Parlamenten beschlossen werden muss, weil es in den Beziehungen zwischen Menschen wächst.

Exakt darin liegt die Wahrheit, die viele politische Bewegungen selten verstehen werden: Ein neues System wird nicht dadurch geboren, dass Millionen Menschen jeden Tag erklären, wie sehr sie das alte ablehnen, sondern dadurch, dass genügend Menschen anfangen, sich so zu verhalten, als wäre die neue Ordnung bereits ihre natürliche Lebensgrundlage. Jede große menschliche Schöpfung existierte zuerst als Vorstellung, bevor sie materielle Form annahm, und deshalb müssen wir uns endlich wieder trauen, eine Welt zu denken, in der Technik dem Menschen dient statt ihn zu verwalten, in der wirtschaftliche Ordnung dem Leben untergeordnet bleibt, in der kulturelle Unterschiede nicht permanent als Waffen gegeneinander benutzt werden und in der Freiheit nicht bedeutet, zwischen hundert digitalen Dienstleistungen auswählen zu dürfen, sondern tatsächlich wieder Verantwortung über das eigene Leben zu besitzen.

Du kannst das System nicht verlassen, solange es in deinem Kopf weiterlebt, und genau deshalb reicht es nicht, andere Nachrichten zu lesen, eine andere Partei zu wählen oder auf den nächsten gesellschaftlichen Zusammenbruch zu hoffen. Solange du selbst schneller, lauter, sichtbarer, erfolgreicher, empörter und radikaler werden möchtest, weil dir die digitale Welt genau diese Werte täglich einhämmert, solange du Bestätigung durch Likes benötigst, ständig erreichbar sein musst, jedes Ereignis kommentieren willst und Andersdenkende sofort in Schubladen sortierst, trägst du die Architektur der Matrix bereits in deinem eigenen Verhalten.

Werde deshalb unbequem, aber nicht auf jene primitive Weise, in der Rebellion lediglich bedeutet, besonders laut gegen irgendetwas zu schreien. Werde unbequem, indem du dich nicht mehr beliebig reizen lässt, indem du nicht jeden Krieg zu deinem Krieg machst, nicht jede Angst übernimmst, nicht jeden politischen Zirkus mitspielst und dich auch nicht von oppositionellen Meinungshändlern erzählen lässt, dass die nächste Enthüllung nun endgültig alles verändern werde. Werde wild genug, wieder selbst zu denken, rebellisch genug, nicht jeden Trend mitzumachen, und frei genug, auch einmal zu sagen, dass du etwas nicht weißt und deshalb zunächst nachdenken wirst, denn geistige Souveränität beginnt keinesfalls mit der Gewissheit, sämtliche Antworten zu besitzen, sondern mit der Weigerung, jede fremde Antwort sofort in den eigenen Kopf aufzunehmen.

Die vielleicht größte Rebellion des 21. Jahrhunderts wird deshalb nicht darin bestehen, irgendeinen Palast zu stürmen, sondern Millionen Menschen hervorzubringen, deren Aufmerksamkeit nicht mehr käuflich, deren Gefühle nicht mehr beliebig steuerbar und deren Identität nicht mehr von täglich wechselnden politischen Lagern abhängig ist. Menschen, die wieder wissen, wer sie sind, wo sie stehen und welche Ordnung sie ihren Kindern hinterlassen möchten, brauchen weder einen permanenten Feind noch eine tägliche Dosis Empörung, weil ihre Kraft aus etwas anderem entsteht, nämlich aus innerer Klarheit, gewachsenen Beziehungen, Gemeinschaft, Verantwortung und einer tiefen Verbindung zu einer Wirklichkeit, die größer ist als jeder Bildschirm.

Das Zentralsystem verliert seine Macht nicht in dem Augenblick, in dem du es tausendmal verfluchst, sondern in dem Augenblick, in dem es nicht länger das Zentrum deines Denkens bildet. Sobald du beginnst, deine Aufmerksamkeit zurückzuholen, deine Gedanken bewusst auszuwählen, deine Gefühle nicht mehr jeder medialen Provokation auszuliefern und jene Welt bereits im Kleinen zu leben, die du im Großen entstehen sehen möchtest, verschiebt sich etwas Entscheidendes: Du bist nicht länger ausschließlich Reaktionsmasse innerhalb einer bestehenden Ordnung, sondern wirst zum Schöpfer einer anderen.

Genau deshalb ist das Gesetz der Resonanz die stärkste geistige Waffe gegen vollständige Digitalisierung, gesellschaftliche Entmenschlichung und das permanente Ausspielen der Völker – denn ein System, das seine Macht aus Angst, Trennung und Abhängigkeit bezieht, stößt dort an seine Grenzen, wo Menschen beginnen, Vertrauen, Gemeinschaft, Eigenständigkeit und Verbundenheit tatsächlich zu leben. Nicht irgendwann nach dem großen Zusammenbruch, nicht nach der nächsten Wahl und nicht nachdem irgendein Retter erschienen ist, sondern jetzt, mitten im bestehenden System, mit jeder Entscheidung darüber, wie wir miteinander sprechen, was wir kaufen, wem wir vertrauen, wie wir unsere Kinder erziehen, welche Technik wir in unser Leben lassen und welche Gedanken wir überhaupt noch verdienen, gedacht zu werden.

Befreiung beginnt deshalb nicht mit der Frage, wann das System endlich fällt, sondern mit einer wesentlich gefährlicheren Frage: Warum lebt es noch immer in dir? Wer diese Frage nicht nur stellt, sondern wirklich beantwortet, beginnt die unsichtbaren Fäden zu durchtrennen, an denen seine Aufmerksamkeit, seine Angst  sowie seine Empörung seit Jahren gezogen werden. Genau dort endet die Matrix, nicht weil irgendeine Macht sie abgeschaltet hätte, sondern weil ein Mensch beschlossen hat, ihr keinen Platz mehr im Zentrum seines Bewusstseins zu geben.

Das ist der Ausbruch, der tatsächlich zählt: Raus aus der künstlichen Dauererregung, raus aus der politischen Oberflächlichkeit, raus aus dem endlosen Krieg der Narrative und Gegennarrative, zurück zu eigenem Denken, natürlicher Ordnung, lebendiger Gemeinschaft und jener schöpferischen Kraft, aus der jede neue Wirklichkeit überhaupt erst entstehen kann. Eine menschenwürdige Ordnung wird nicht vom Himmel fallen und auch nicht von jenen geliefert werden, die bereits heute von unserer Abhängigkeit profitieren; sie wird dort geboren, wo Menschen aufhören, ausschließlich gegen die alte Welt zu kämpfen, und anfangen, die neue so kompromisslos zu denken, zu fühlen und zu leben, dass die alte irgendwann schlicht keinen Platz mehr in ihnen findet.

Über Joachim Sondern 128 Artikel
Heimatliebender Aktivist, Medienmacher und Politiker! Ein Zitat von Ernst Jünger wurde zum inneren Begleiter: "Zeige mir den Markt der Stadt und ich sage dir, ob dein Volk noch lebendig ist." Friedrich Nietzsche formulierte einst treffend: "Im Gebirge der Wahrheit kletterst du nie umsonst: entweder du kommst schon heute weiter hinauf oder du übst deine Kräfte, um morgen höher steigen zu können." Ich habe mich für den Weg der Wahrheit entschieden - aus Liebe zum Eigenen!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


fünf × 4 =