Wir leben – oder vegetieren wir nur dahin wie welkende Blätter im Winde? Der Mensch, einst geboren als unschuldiges, lichtes Wesen, schüttelt im Laufe seines Werdens all jene Tugenden ab, die ihn ursprünglich auszeichneten. Er begründet dies mit der törichten Phrase, daß man erwachsen werden müsse, als sei Erwachsensein gleichbedeutend mit „Vernunft“. So kommt es, daß Erwachsene ihre Kinder drängen, ja regelrecht zwingen, die Kindheit baldmöglichst hinter sich zu lassen, gleich einem Ballast, der in den Abgrund geworfen wird. Mit jeder Generation ward dieses Übel schlimmer, tiefer, zerstörerischer.
Joachim Sondern
Kindliche Seelen werden nicht mehr behütet, sondern betäubt; nicht mehr genährt, sondern verdorben. Menschen rauben einander das Heiligste, was es gibt – die Kindheit. Sie reißen das Wurzelwerk aus, das uns trägt und nährt, einzig damit der Mensch sich fügsam in die Matrix des Systems einreihe, gleich einem Zahnrad ohne Stimme, ohne Herz, ohne eigenes Licht. Doch die Kindheit ist keine Nebensächlichkeit – sie ist das Fundament des Lebens, die erste und vielleicht reinste Offenbarung, das Tor zu jener Schaffenskraft, die den Menschen über bloßes Funktionieren erhebt.
In dieser Zeit des Kindseins erkundet man noch unbefangen die Welt, stellt Fragen, ohne Furcht vor den Antworten, wagt Träume, die nicht von Normen sowie Verboten gefesselt sind. In der Fantasie wächst die schöpferische Kraft, die Visionen gebiert, die Welten formen könnte. Doch statt dies zu bewahren, zerstört man es. Kinder werden viel zu früh mit zügellosen Bildern und sexueller Anzüglichkeit überschüttet, mit Musik, die den Körper reizt, aber die Seele verhöhnt. Andere verlieren sich in der digitalen Hypnose, in Bildschirmen, die mehr Finsternis als Erkenntnis spenden. Warum? Weil die Eltern, längst selbst zu Sklaven des Systems geworden sind, nicht mehr die Geduld besitzen, sich mit dem lebendigen Herzen ihrer Kinder auseinanderzusetzen. Sie graben ihre eigene Kindesseele nicht aus, obgleich gerade dort die Befreiung läge – die Heilung, die Verjüngung, das wahre Leben.
Denn ein Erwachsener, der wieder Kind zu sein wagt, trägt eine unzerstörbare Kraft in sich. Er altert langsamer, er lebt gesünder, er lächelt wahrhaft. Wer hinausgeht in die Natur, wer sich im Spiele vergißt, im Rasen, im Springen, im Toben, der erfährt das Glück in seiner reinsten Form. Doch was geschieht stattdessen? Erwachsene halten fest an ihren Ketten, lieben ihre Irrationalität, pflegen ihre Sucht nach Gehorsam. Sie opfern alles – ihre Seele, ihre Freiheit, ja selbst ihre Kinder – nur um weiterhin ein Glied in jener Maschinerie zu bleiben, die sie entmenschlicht.
Die Kindheit wurde abgeschafft, weil sie den Schlüssel in sich trägt: den Schlüssel zum freien Denken, zum tiefen Fühlen, zur schöpferischen Entwicklung. Nichts fürchtet ein auf Lüge gebautes System mehr, als Menschen, die frei, gesund und schöpferisch denken. Darum raubt man ihnen die Quelle. Darum macht man aus ihnen Schattenwesen. Der größte Hohn ist das Wort: „Du mußt endlich erwachsen werden.“ Denn in diesem Befehl liegt das Todesurteil über Gemeinschaft und Familie, über Schutz, Vertrauen sowie Liebe. Stattdessen sollen Menschen seelenlos, wurzellos, krank und vor allem einsam einhergehen – vereinzelt, gleichsam wie Schafe, die man leichter treiben kann.
Eine wahre Gemeinschaft, eine vertraute Familie, ein geerdeter Mensch – das alles wäre eine Gefahr für das System. Denn aus solchem Boden erwüchse eine gesunde Menschheit, die Kraft aus der Natur schöpft, die wieder Arterhaltung und Würde kennt, die sich ihrer Herkunft erinnert, dem Geiste ihrer Ahnen treu bleibt. In einer freien, natürlichen Kindheit liegt Gesundheit, Glück, schöpferische Freude, Kraft des Denkens, Stärke des Innern. Eben darum hat man sie abgeschafft – aus Angst, daß Völker in ihrer ursprünglichen Reinheit unbesiegbar würden.
Darum rufe ich: Werdet wieder zu Kindern! Im reinen Herzen, im Staunen, im Mut zur Unschuld – in der Leichtigkeit des wahren Daseins. Spürt wieder die Erde, das Wasser, den Atem des Windes; tragt die Freude aufrecht im Herzen, als sei sie ein ewiges Feuer. So werdet ihr frei – frei von der Matrix, frei von der Tyrannei der Lüge. Kein System der Welt könnte euch dann noch beherrschen.
Doch das Gift hat längst alle Lager durchdrungen: von links bis rechts, von Mitte bis Rand. Alle streiten, alle reißen einander nieder, alle messen dem Geld Gewicht bei, als sei es göttlich. Sie verlieren sich in endlosen, sinnleeren Debatten – Relikte einer Erwachsenenwelt, die längst von innen verfault ist.
Hört auf damit! Hört auf, euch gegenseitig herabzuwürdigen! Nehmt die Kinder an die Hand, schaut durch ihre Augen, werdet selbst wieder Kind. Widmet euch Laubsägearbeiten, backt Plätzchen, jagt Schmetterlinge über die Wiesen, lacht, lebt, liebt. Werft die kalte Technik in die Ecke, vergesst die Bildschirme und seid wieder in der wirklichen Welt.
So ließe sich über Nacht ein neues Reich des Geistes erwecken – nicht durch Gewalt, nicht durch politische Phrasen, sondern durch die Einfachheit des Herzens, das wieder Kind zu sein wagt. Der Mensch müßte nur eines tun: aufhören, seinen primitiven, anerzogenen Gewohnheiten zu verfallen. Er müßte die Ketten sprengen, nicht im Zorne, sondern im Lichte der wiedergefundenen Unschuld. Dann würde ein neues System entstehen – frei, schöpferisch, menschlich.
Und in solcher Auferstehung läge vielleicht das wahre Erwachsensein – nicht das abgestorbene, seelenlose, sondern das erwachte, das geheilte, das kindlich-göttliche.
Herzlichen Dank für diesen so wichtigen Aufruf in diesen herausfordernden Zeiten! Ich bin zu 100% bei Ihnen. Mögen wir alle unseren Teil dazu beitragen. Mit Freude, Leichtigkeit und Liebe. In Verbundenheit mit allen erwachsenen Kindern, die die Herausforderung annehmen, Dana
Vielen Dank für Ihren Kommentar. In der Tat interessieren sich bisher nur wenige Menschen für diese so wichtige Thematik. Umso mehr sind wir gefragt.