Friedrich Merz, der beste Kanzler, den die BRD je hatte – zumindest, wenn man darunter versteht, daß Beharrlichkeit über Mehrheiten siegt. Ein Mann, der Demokratie neu denkt: Man wählt intern so lange, bis das gewünschte Ergebnis eintritt. Ablehnung gilt als vorübergehende Unpäßlichkeit, ein Nein als Einladung zur nächsten Abstimmung. Wer da noch von Zufall spricht, hat den Fortschritt nicht verstanden.
Joachim Sondern
Merz akzeptiert kein Nein; er interpretiert es. Er nimmt es behutsam zur Kenntniß, legt es in die Schublade „mißverständlich formuliert“ und holt es nie wieder hervor. Denn wahre Führung erkennt man daran, daß man die Wirklichkeit nicht hinnimmt, sondern sie korrigiert. Die Partei folgt, das Protokoll nickt, die Kameras lächeln – und schon ist die Geschichte auf Kurs.
Seine Versprechen? Ein Meisterwerk moderner Rhetorik. Kaum ist das Wahlergebnis verkündet, entfalten sie ihre wahre Bestimmung: als dekoratives Beiwerk der Vergangenheit. Worte sind schließlich wie Kaugummi – dehnbar, geschmacksintensiv beim ersten Kontakt, danach unerquicklich. Wer das kritisiert, hat den Reiz der neuen Ehrlichkeit nicht begriffen: Man sagt, was man muß, und tut, was man will. Transparenz und Ehrlichkeit? Nun, alles ist doch schließlich relativ.
Merz dient der Rüstungsindustrie – selbstverständlich nur aus humanitären Gründen. Frieden schafft man bekanntlich am besten mit Lieferscheinen. Ein Hoch auf den Lobbyismus. Und fremde Interessen? Das sind doch nur internationale Freundschaften mit erweitertem Handlungsspielraum. Souveränität zeigt sich darin, daß man Verantwortung delegiert, idealerweise über den Atlantik hinweg. Wer könnte da widersprechen, ohne als rückständig zu gelten?
Besonders charmant ist sein Verhältnis zu den sogenannten Bürgen der BRD. Diese Menschen tragen das Land mit Geduld, Leistung, Rechnungen sowie steigenden Abgaben – eine Art ehrenamtlicher Staatsdienst. Ihnen verspricht man Stabilität, liefert Inkompetenz; man verheißt Entlastung, serviert scheinheilige, undurchsichtige Reformen; man spricht von Aufbruch, meint jedoch Stillstand. Aber stets „zum Wohle aller“. Wer fragt, wessen Wohl gemeint ist, hat den Geist der Zeit verpaßt.
Merz ist auch ein Freund klarer Aussagen. Zum Beispiel, daß man sparen müsse – außer dort, wo es wichtig ist. Wichtig ist bekanntlich alles, was der Lobby dient. Oder daß politische Leistung sich wieder lohnen solle – vor allem, wenn sie bereits sehr gut entlohnt wird. Leistung vom Bürge hingegen verdient Anerkennung, Applaus und einen warmen Händedruck. Inflationsausgleich? Ein Gefühl, kein Anspruch.
Seine Haltung zur Wahrheit ist modern: Sie ist kein Zustand, sondern ein Prozeß. Heute so, morgen anders, übermorgen „aus dem Kontext gerissen“. Wer ihn beim Wort nimmt, wird belehrt, daß Worte Werkzeuge sind. Und Werkzeuge benutzt man. Man hängt sich nicht an sie.
Kabarettistisch wird es, wenn man sein Verhältnis zur Demokratie betrachtet. Demokratie ist wichtig – solange sie effizient ist. Wenn sie stört, muß man sie eben beschleunigen – damit keiner versteht, was gemeint ist. Konsens ist gut, Führung besser. Und falls jemand fragt, woher die Richtung kommt: aus der Vernunft, die zufällig immer mit den eigenen Zielen übereinstimmt.
So erheitert Merz die Menschen tatsächlich. Mit ihm geht es weiter steil bergab – allerdings mit Zuversicht. Denn wer fällt, lernt fliegen. Und wer zahlt, zahlt aus Überzeugung. Alles zum Wohle der BRD Bürgen, die geduldig nicken, während ihnen erklärt wird, daß es alternativlos sei. Ironie der Geschichte: Alternativen gibt es immer – sie werden nur gern erst im Rückspiegel entdeckt.
Friedrich Merz also: der Kanzler der Beharrlichkeit, der Elastizität, der internationalen Freundschaften sowie der heimischen Rechnungen. Ein Mann, der zeigt, daß man auch ohne Zweifel regieren kann – solange man sie anderen überläßt. In diesem Sinne: Weiter so. Volle Fahrt für das BRD-Narrenschiff.
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