Schuld statt Leben: Wie Missionierung unsere heidnischen Wurzeln zerstörte

Heidnische Götter als Dämonen? Eine Lehrstunde über religiöse Propaganda

Es gibt Kommentare, die mehr über den inneren Zustand ihres Verfassers aussagen als über das Weltbild, das sie angreifen wollen. Was sich hier als „brüderliche Ermahnung“ tarnt, ist in Wahrheit ein klassisches Beispiel religiöser Überheblichkeit, historischer Verzerrung sowie geistiger Kolonisierung. Der folgende Kommentar wurde – von einem Zuschauer – unter meinem Video „Unsere Götter kannten Mut – nicht Unterwerfung“ veröffentlicht. Nicht als Einladung zum Dialog, sondern als Belehrung mit Absolutheitsanspruch. Er steht exemplarisch für ein Denken, das fremde Weltsichten nicht verstehen, sondern vernichten will. Genau deshalb lohnt es sich, ihn nicht emotional, sondern sachlich, geistig sowie historisch zu zerlegen.

  Joachim Sondern

Hier nun der Kommentar:

„Bruder bete den Schöpfer an nicht die Schöpfung. Lies das Buch Henoch dann wirst du verstehen, daß die Geister der Nationen Dämonen sind. Komm zu Christus. Ich habe selbst früher die nordischen Götter eine zeitlang verehrt. Es war eine kalte und dunkle Zeit und diese ‚Götter‘ antworten nicht. Sie geben keinen Frieden und sind nicht lebendig. Valhalla würde dir ewiges Leid bringen und du würdest kämpfen, sterben, wiederaufstehen und wieder kämpfen und sterben. Mit der Tatsache, daß du nicht einmal in Valhalla mit großer Wahrscheinlichkeit landen wirst sondern direkt in Hel (=Hölle). Das ist ein Fluch. Es hat einen Grund daß die alten Wikinger und unsere Vorfahren den wahren und starken und LEBENDIGEN GOTT angenommen haben.“

Bereits der erste Satz offenbart das Grundproblem dieses Kommentars: Er setzt seine eigene Theologie als allgemeingültige Wahrheit voraus. „Bete den Schöpfer an, nicht die Schöpfung“ ist kein Naturgesetz, sondern ein Dogma abrahamitischer Religionen. Es basiert auf der strikten Trennung von Gott und Welt, Geist und Natur, Schöpfer und Schöpfung. Das nordisch-heidnische Weltverständniß kennt diese Trennung nicht. Es begreift das Dasein als einen lebensbejahenden Zyklus im Einklang mit der Natur. Leben, Ordnung, Kraft sowie Bewußtsein wirken in der Natur selbst. Wer dies „Schöpfungsanbetung“ nennt, hat das heidnische Denken nicht verstanden, sondern lediglich seine eigene religiöse Brille aufgesetzt.

Der Verweis auf das sogenannte Buch Henoch dient dabei nicht der Erkenntniß, sondern der Abwertung. Dieses Werk ist apokryph, nicht kanonisch, geprägt von starkem Dualismus, Dämonenrhetorik sowie Endzeitphantasien. Es ist kein universeller Maßstab, sondern Ausdruck einer bestimmten religiösen Angststruktur. Fremde Götter zu Dämonen zu erklären, ist kein geistiger Sieg, sondern ein historisch bekanntes Herrschaftsinstrument. So wurden Kulturen gebrochen, Identitäten ausgelöscht, Weltbilder vernichtet.

Die nordischen Götter sind keine dämonischen Gegenmächte, sondern personifizierte Lebensprinzipien, entstanden aus Jahrtausenden der Naturbeobachtung, aus Saat und Ernte, Geburt und Tod, Winterruhe sowie Frühlingsaufbruch. Sie stehen nicht außerhalb der Welt, sie sind Ausdruck ihrer Ordnung.

Freyr verkörpert Fruchtbarkeit, Wachstum, Frieden, Zeugungskraft sowie Überfluß. Freyja vereint Liebe, Sinnlichkeit, Magie, Tod sowie Wiedergeburt. Sif steht für reifen Ackerboden, Ernte, Versorgung, das tägliche Brot. Eir repräsentiert Heilkunst, Pflege, Genesung. Diese Gottheiten schenken kein Erlösungsversprechen, sondern fordern Verantwortung, Standhaftigkeit sowie Lebensbejahung.

Besonders entlarvend ist die bewußte Verdrehung der nordischen Jenseitsvorstellungen. Walhall wird als Ort ewigen Leids dargestellt. In Wahrheit ist Walhall Sinnbild des tätigen Daseins, des immerwährenden Bewährens im kosmischen Gefüge. Der Kampf ist kein Strafgericht, sondern Ausdruck des Lebens selbst. Hel wird frech mit der christlichen Hölle gleichgesetzt. Tatsächlich ist Hel ein neutraler Ort der Ruhe, des Rückzugs, der Stille – der Winter des Seelenjahres. Kein Feuer, kein Teufel, kein Fluch. Die Gleichsetzung ist plumpe Propaganda.

Wenn der Kommentator schließlich behauptet, unsere Vorfahren hätten den „wahren und lebendigen Gott“ angenommen, wird Geschichte zur frommen Märchenerzählung. Die Christianisierung war kein freier Erkenntnißprozeß, sondern ein Akt von Zwang, Gewalt, Enteignung sowie kultureller Auslöschung. Haine wurden gefällt, Heiligtümer zerstört, Bräuche verboten. Daß man später versuchte, diesen Bruch religiös zu verklären, ändert nichts an den Tatsachen.

Das nordische Heidentum ist kein dunkler Irrweg, sondern ein lebensbejahendes Weltverständniß. Es kennt keine Erbsünde, keinen Schuldkult, keinen Erlösungszwang. Es kennt Würde, Ehre, Gemeinschaft sowie Einklang mit den Naturgesetzen. Wer darin Dämonen sieht, offenbart nicht geistige Tiefe, sondern Angst vor Freiheit. Nicht die nordischen Götter sind kalt und leblos – kalt ist der Blick, der sie nur durch das Prisma fremder Dogmen zu ertragen vermag.

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Heimatliebender Aktivist, Medienmacher und Politiker! Ein Zitat von Ernst Jünger wurde zum inneren Begleiter: "Zeige mir den Markt der Stadt und ich sage dir, ob dein Volk noch lebendig ist." Friedrich Nietzsche formulierte einst treffend: "Im Gebirge der Wahrheit kletterst du nie umsonst: entweder du kommst schon heute weiter hinauf oder du übst deine Kräfte, um morgen höher steigen zu können." Ich habe mich für den Weg der Wahrheit entschieden - aus Liebe zum Eigenen!

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