Sunnudagr: Der heilige Bund mit Deiner Fylgja

Sonnentag als Tor zu Deiner innersten Kraft

Sunnudagr ist mehr als ein Tag im Kalender, er ist eine Schwelle; ein goldener Übergang zwischen dem Sichtbaren sowie dem Verborgenen, zwischen dem, was Du zu sein glaubst, und dem, was Du in Wahrheit bist. Wenn die Sonne am Horizont emporsteigt, wenn ihr Licht nicht bloß die Landschaft, sondern auch die inneren Kammern Deiner Seele berührt, dann öffnet sich ein Raum, der jenseits der gewöhnlichen Wahrnehmung liegt. In diesem Raum wirkt die Fylgja – jener weibliche Schutzgeist aus der nordischen Überlieferung, welcher nicht außerhalb von Dir existiert, sondern als lebendige Verkörperung Deiner innersten Kraft, Deiner Ahnenlinie sowie Deines Schicksals in Dir mitschwingt.

  Joachim Sondern

Die Alten wußten, daß der Mensch niemals allein wandelt; sie sprachen nicht leichtfertig von Begleitern, nicht aus Aberglauben, sondern aus Erfahrung, aus jener stillen Gewißheit, die entsteht, wenn man lange genug in die Sonne blickt, ohne geblendet zu werden, wenn man lange genug lauscht, ohne sofort zu urteilen. Die Sonne blendet Dich niemals, wenn Du freien Herzens und mit Respekt vor Deiner Seele durch das Leben wanderst.

Die Fylgja folgt – so liegt es bereits im Wort. Doch sie folgt nicht Deinem Lärm, nicht Deinen flüchtigen Launen, nicht den Masken, die Du bisweilen in der Welt trägst; sie folgt Deinem Wesen. Und gerade am Sunnudagr, wenn das Licht seine reinste Sprache spricht, tritt sie näher an Dich heran, als wollte sie prüfen, ob Du bereit bist, Dich selbst in Deiner Tiefe zu erkennen. Vielleicht spürst Du es als Wärme an Deiner Seite, vielleicht als unerklärliche Ruhe inmitten von Unruhe, vielleicht als Bild einer würdevollen Frauengestalt in Deinen inneren Augen, stark sowie wach, zugleich sanft wie das Morgenlicht und unerbittlich klar wie der Mittagshimmel. Sie ist keine fremde Macht, die Dich lenkt, sondern Erinnerung – Erinnerung daran, wer Du warst, bevor Zweifel, Furcht oder fremde Stimmen Dich von Deinem eigenen Kern entfernten.

Sunnudagr (Sonntag) ist der Tag, an dem die Sonne wie ein goldener Spiegel wirkt; sie zeigt Dir nicht nur die Welt, sondern auch Dich selbst. Wer sich diesem Licht aussetzt, wer nicht sofort zum Schatten eilt, sondern still stehen bleibt, der mag erfahren, daß in ihm ein leiser Dialog beginnt. Es sind keine lauten Worte, keine donnernden Offenbarungen, sondern ein feines Wissen, das sich ausbreitet wie Wärme auf der Haut. In diesem Wissen liegt Führung, doch keine Bevormundung; Schutz, doch keine Einengung; Mahnung, doch keine Drohung. Die Fylgja drängt nicht, sie wartet; sie zwingt nicht, sie erinnert Dich; sie schreit nicht, sie flüstert zu Deinem Herzen. Und nur wer den Mut besitzt, den Verstand für einen Augenblick ruhen zu lassen, vermag dieses Flüstern zu hören.

Vielleicht erkennst Du an diesem Tage, daß Dein Weg nicht zufällig ist, daß Prüfungen nicht bloß Hindernisse darstellen, sondern Initiationen; daß jene Begegnungen, die Dein Herz erschütterten, nicht bloß Schmerz brachten, sondern Wachstum. Die Fylgja steht Dir bei, wenn Du Dich entscheidest, aufrecht zu gehen, selbst dann, wenn der Pfad steinig ist; sie stärkt Dich, wenn Du Deinem eigenen Schwur treu bleibst; sie entfernt sich, wenn Du Dich selbst verleugnest. In ihr vereinen sich Ahnenkraft sowie Zukunft, Weiblichkeit sowie Weisheit, Schutz als auch Spiegelung. Sie zeigt Dir nicht, was Du sehen willst, sondern was Du sehen mußt, um wahrhaft frei zu werden.

So tritt am Sunnudagr hinaus in das Licht, nicht als Suchender, der verzweifelt greift, sondern als Wissender, der bereit ist zu empfangen. Laß die Sonne Dein Antlitz berühren; laß Deine Gedanken sich ordnen wie Wolken, die langsam auseinanderziehen. Spüre, daß Du getragen wirst von einer Kraft, die älter ist als Deine Zweifel, größer als Deine Ängste, stiller als Dein Stolz. Vielleicht bemerkst Du, daß sich Deine Schritte leichter anfühlen, daß Deine Entscheidungen klarer werden, daß eine unsichtbare Gewißheit Dich durchdringt – als hätte jemand längst an Deiner Seite gewartet.

Und wenn Du in diesem goldenen Augenblick die Augen schließt, so laß diese Worte aus Deinem Innersten steigen, nicht als bloße Formel, sondern als lebendige Einladung:

„Licht meiner Ahnen, treue Begleiterin meines Weges, wenn Du an meiner Seite wandelst, so tritt nun näher. Nicht um mein Schicksal zu ändern, sondern um mich an meine Kraft zu erinnern.“

Bleibe danach still; zwinge keine Antwort herbei, erwarte kein Zeichen mit Ungeduld. Die Fylgja antwortet auf ihre Weise – vielleicht durch einen Traum in der kommenden Nacht, vielleicht durch die Begegnung mit einem Tier, vielleicht durch eine plötzliche Klarheit, die Dich ohne Begründung durchströmt. Denn Sunnudagr ist nicht bloß ein Tag der Sonne, er ist ein Tag der Offenbarung, wenn Du bereit bist, Dich selbst in Deinem eigenen Licht zu erkennen. Und wer an diesem Tage die Verbindung spürt, der weiß: Er ist geführt, doch frei; beschützt, doch selbstverantwortlich; begleitet, doch niemals abhängig. Die Fylgja folgt – doch am Sunnudagr tritt sie hervor, damit Du erkennst, daß Du längst mit ihr eins gewesen bist.

Über Joachim Sondern 115 Artikel
Heimatliebender Aktivist, Medienmacher und Politiker! Ein Zitat von Ernst Jünger wurde zum inneren Begleiter: "Zeige mir den Markt der Stadt und ich sage dir, ob dein Volk noch lebendig ist." Friedrich Nietzsche formulierte einst treffend: "Im Gebirge der Wahrheit kletterst du nie umsonst: entweder du kommst schon heute weiter hinauf oder du übst deine Kräfte, um morgen höher steigen zu können." Ich habe mich für den Weg der Wahrheit entschieden - aus Liebe zum Eigenen!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


fünf × 4 =